Qigong

Innenschau und der Prozess der inneren Veränderung (Nei Gong)

Die Selbstreflektion, der Blick nach innen, ist vielleicht das wichtigste Werkzeug im Qigong. Auch wenn jede Übung ihre speziellen Wirkungen und Ziele hat, so ist doch das Grundprinzip des Innehaltens und der Selbstbeobachtung das wichtigere, übergeordnete Element, was auch erklärt, warum Qigong besonders gut für unsere Gesundheit ist. Im Schlaf “gehen” wir so sehr nach innen, daß wir gewissermaßen ein Blackout haben – unsere Sinne sind nun getrennt von der Welt, unsere Muskeln erschlafft und unser Geist ungebunden – das ist nötig, um die Regenerationsfähigkeit von Geist und Körper zu bewahren. Qigong hat hier auf prinzipieller Ebene durch die intensive Innenschau einen ähnlichen regenerativen Effekt.

Nei Gong (innere Arbeit) ist oftmals die Bezeichnung für ein bestimmtes System von Übungen. So sagt man anstelle von Qigong (Energie- oder Atemarbeit) dann Neigong. Auch sind die Definitionen des Begriffs Neigong unterschiedlich. So wird Neigong oftmals als tiefgründiger und spezieller angesehen. Ich persönlich finde es als Darstellung eines inneren Prozesses, nämlich dem der inneren Veränderung sehr einleuchtend, so wie es Damo Mitchell in seinem Buch “Daoist Nei Gong” beschrieben hat.

Wie findet Veränderung statt?

In der Regel dann, wenn man genauer hinschaut. Um die quietschende Tür wieder gangbar zu machen, müssen wir hinschauen, den Fehler finden und ihn korrigieren. Um das Auto wieder flott zu machen, bringen wir es in die Werkstatt, und der Mechaniker schaut hin. In jedem Fall braucht die Sache, oder spezifischer, das Problem, Aufmerksamkeit. So können Dinge in unser Bewusstsein dringen, die uns vorher unklar oder sogar unbekannt waren. Im nächsten Schritt können wir lernen, den Prozess zu verändern, zu korrigieren oder anzupassen.

„Die Energie folgt der Aufmerksamkeit.“

Dies ist nur eine andere Formulierung einer einfachen Wahrheit: wenn wir wollen das sich etwas verändert, dürfen wir hinschauen. Und dies schließt in der Regel dann auch ein, daß wir Dinge anders machen, als wir sie bisher gemacht haben. Doch dazu brauchen wir erst den speziellen Blick, müssen sehen was wir falsch machen und verbessern können. Erst dieser Blick ermächtigt uns, etwas anderes zu tun wie bisher. Wenn etwas nicht funktioniert, dann dürfen wir etwas verändern.

Noch einfacher ausgedrückt: ein Navigationssystem braucht nicht nur ein Ziel, sondern auch einen Startpunkt.

 

Weiterführende Literatur: